Ich habe an einer Forschungsfahrt von Honolulu nach Tokio teilgenommen. Leider war die An- und Abreise nicht ganz ohne Flugzeug möglich. Ich habe aber versucht, meine CO2-Emissionen gering zu halten, und das meiste aus meinen unvermeidlichen Emissionen zu machen, indem ich größere Strecken auf dem Land- und Seeweg zurückgelegt und unterwegs viele Kollegen und Institutionen besucht habe. Eine Strecke die einen etwas größeren Planungsaufwand erforderte ging von Taipei nach Hanoi. Von dort wollte ich dann weiter nach Indien, um mich mit weiteren Kollegen zu treffen – was auf dem Landweg nicht möglich ist – aber von dort zumindest mit Direktflug. Von China und Taiwan gibt es nicht einmal Direktflüge nach Indien.
Zunächst wollte ich mit der Fähre von Taiwan nach China. Es war nicht ganz einfach im Internet verlässliche Informationen dazu zu finden, aber schliesslich fand ich als gangbaren Weg die Nachtfähre von Taiwan nach Matsu, einer Inselgruppe die noch zu Taiwan gehört und dem chinesischen Festland vorgelagert ist, und von dort eine weitere Fähre für die kurze Strecke nach Fuzhou auf dem chinesischen Festland.
Die Webseite hierzu 馬祖海上交通訂位購票系統-請選擇行程 ist allerdings nur auf Chinesisch, aber mit Hilfe eines Kollegen aus Taiwan und von Übersetzungstools gelang es mir die Tickets zu buchen.

Zunächst geht es mit dem Nahverkehrszug von Taipei nach Keelung, wo die Fähre zur Matsu-Inselgruppe abfährt.

Auf der Fähre zur Insel Nangan (mit Zwischenhalt in Dongyin) hatte ich dieses angenehme Bett

Die Fähre „New Taima“ mit der ich über Nacht von Keelung zur Insel Nangan in der Matsu-Inselgruppe gefahren bin

Von Nangan ging es dann mit dieser wesentlich kleineren Fähre das letzte Stück bis zum chinesischen Festland
Dank Aufhebung der Visumpflicht konnte ich dann nur mit meinem Reisepass einreisen. Soweit ich gesehen habe war ich der einzige Nicht-Chinese, es ist wohl relativ unüblich dass Ausländer auf dem Seeweg von Taiwan nach China einreisen, und entsprechend gründlich wurde ich kontrolliert. Nachdem ich durch die Kontrolle durch war, war der Bus Richtung Fuzhou abgefahren. Das Schiff kommt nämlich in einiger Entfernung von Fuzhou an. Die Grenzer arrangierten aber, dass mir jemand half, weiterzukommen. Zuerst gelang es mir mit seiner Hilfe und meiner Karte Geld aus dem Automaten zu bekommen. Dann wollte ich zunächst auf den nächsten Bus warten, aber mein Helfer fand dann jemand, der mir anbot, nach Fuzhou mitzufahren, und da mir der Preis angemessen erschien, nahm ich das Angebot an.
Am Abend hatte ich noch Gelegenheit, Fuzhou etwas zu erkunden – eine gewisse Herausforderung, da, wie ich jetzt feststellte, Google Maps und viele andere Websites in China nicht funktinieren, die ich aber letztlich erfolgreich meisterte. Am nächsten Morgen ging es dann mit dem Zug weiter nach Shenzhen, wo ich Kollegen traf. Zugtickets konnte ich zumeist problemlos auf der offiziellen Webseite der chinesischen Bahn www.12306.cn kaufen, nachdem mir meine chinesische Doktorandin geholfen hatte, dort ein account aufzusetzen. Die Tickets sind immer 2 Wochen vor dem Reisetermin verfügbar. Die gekauften Tickets muss man dann nicht vorzeigen; es genügt, den Reisepass zu zeigen, weil die Tickets dann gefunden werden. Nach der Pass-Ticket und Sicherheitskontrolle (ähnlich wie am Flughafen) kommt man zu einem großen Wartesaal, dann gibt es noch eine Kontrolle, bevor man endlich zum Zug kommt. Im Zug selber wird dafür aber nicht kontrolliert.

Auf dem Bahnsteig in Fuzhou – der Hochgeschwindigkeitszug der dann mit ca. 300 km/h in ein paar Stunden nach Shenzhen fährt erinnert sowohl von aussen als auch von innen an einen ICE.

Der große Wartesaal in Shenzhen, wo ich auf den Zug zur Weiterfahrt nach Kunming gewartet habe.

Im Hochgeschwindigkeitszug geht es tagsüber in einigen Stunden weiter von Shenzhen nach Kunming. Draussen sieht man für einen längeren Zeitraum die malerische Landschaft von Guilin, drinnen sieht es so ähnlich aus wie im ICE.

Schliesslich ein „Normal“-Geschwindigkeitszug von Kunming nach Hekou an der Grenze zu Vietnam. Dank zahlreicher Tunnels geht es aber immer noch ziemlich zügig.
Nach Ankuft in Hekou ging es mit einer Art Sammeltaxi weiter zum Grenzübergang nach Vietnam, und dann zu Fuß über die Grenze.

Auf der anderen Seite der Grenze gibt es wieder einen Zug der weiter nach Hanoi fährt. Vorher habe ich allerdings noch etwas Zeit in Sapa verbracht.

Blick aus meinem gemütlichen Abteil im Zug nach Hanoi. Zugfahren in Vietnam ist ganz anders als in China. Man kommt in den Zug mit nur einer Ticket-Kontrolle, der Zug ist langsam, aber das macht nichts weil der Blick aus dem Fenster nicht langweilig wird. Ausserdem gibt es – anders als in China – Internet im Zug. Zum Ende der Fahrt in Hanoi fährt der Zug auch duch eine der berühmten Zugstraßen.